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07.03.2004
       
             
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98 Meter
verteilt auf 21 Stockwerke warteten am Sonntag 7.3.04 um 10 Uhr vergeblich auf ihre Sprengung. Der große Bumm ließ auf sich warten - Computerfehler. Hatte der Rechner sich etwa mit Netsky infiziert?
Aber der Reihe nach.

Im Januar 2002 beschloss der Verwaltungsrat der Sparkasse den Abbruch des Verwaltungs-hochhauses um damit den Weg für den Neubau des Sparkassen Karrees zu ebnen.
Man entschied sich für eine Sprengung des Gebäudes. Mit dieser Entscheidung rückte Hagen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Denn noch nie wurde in Europa ein Hochhaus dieser Größenordnung in dicht besiedeltem Terrain gesprengt.
Das Düsseldorfer Spezialunternehmen Prangenberg & Zaum beseitigte im Vorfeld 130.000 Kubikmeter Baumaterial. Dabei wurden sämtliche getrennt zu entsorgende Teile und 10.300 Quadratmeter Fassade entfernt.
Nach der Entkernung wog das Hochhaus "nur" noch 26.700 Tonnen. Fachleute sprechen über eine Schwächung des Gebäudes. Ein Großteil davon machte die massive Stahlbetonplatte im Inneren des Gebäudes aus. Sie ist vom Fundament bis zum Dachgeschoss 113 Meter lang, neun Meter breit und 1,72 Meter dick.

Für die Sprengung des Gebäudes wurden über 200 Kilogramm des Sprengstoffs EuroDyn in  rund 1.500 Bohrlöchern verteilt und durch 3.000 Meter Sprengkabel miteinander verbunden. Damit das Hochhaus bei der Detonation seine Form behält, wurde es im Inneren mit 2600 Metern Stahlseilen mit einer Stärke von 2,4 cm diagonal verspannt. An den umliegenden Gebäuden wurden zusätzliche Schutzgerüste mit einer Fläche von insgesamt 4500 qm aufgestellt. Bereits um 6:00 Uhr morgens wurden am Sonntag in einem Radius von 140 Metern die Anwohner evakuiert. In einem weiteren Radius von 200 Metern durften sich Bewohner nur in ihren Häusern in den rückwärtigen Räumen aufhalten.

Aufgrund der Höhe des Sparkassengebäudes und des relativ geringen Platzes für die Sprengung schied eine einfache Kollaps Sprengung aus. Die Planungsgesellschaft PL2-Pluralis erarbeitete eine spezielle Sprengmethode. Mit der kombinierten Kipp-Kollaps-Sprengung sollte das Hochhaus nicht einfach in sich zusammenfallen, sondern quasi zusammengefaltet werden.

Wer jetzt meint der Sprengmeister säße in einem Hochsicherheitstrakt, irrt. Auf einem einfachen Schultisch aufgebaut an der Bushaltestelle Badstraße lagen 5 unscheinbare Kästchen von denen 5 gelbe relativ dünne Kabel sich zum Hochhaus schlängelten. Sprengmeister Franke murmelte den Pressevertretern zu " Jetzt könnt ihr noch, aber während der Sprengung will ich hier im Umkreis von 15 Metern niemanden sehen." (Hätte wahrscheinlich außer dem Webmaster sowieso keiner gemacht).

3 Sprengungen sollten "Oskar" zusammenfalten. Die erste Sprengung erfolgte zwischen der 8 und 9 Etage, dadurch wurden die oberen Meter des Gebäudes in Richtung Volme-Galerie geneigt. 2,5 Sekunden später detoniert in der 4 Etage eine weitere Sprengladung, woraufhin die Stockwerke 4-8 in die gegenüberliegende Richtung kippen und eine Sekunde später lässt eine Explosion im Erdgeschoss das Gebäude in sich zusammenkippen.

1200 Helfer von Polizei, Feuerwehr, THW, Ordnungsamt und freiwilligen Helfer sicherten das Terrain im Gefahrenbereich. Ein Polizeihubschrauber umkreiste den langen Oskar um mögliche Personen auszumachen, die sich durch das engmaschige Sicherheitsnetz mogeln konnten.
Delikat war der Umstand, dass der Hubschrauber zum Zeitpunkt der Sprengung durch die einstündige Verzögerung mangels Treibstoff landen musste.
 

 
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Um der Staubentwicklung während der Sprengung entgegenzuwirken sprühten 15 Wasserwerfer und 6 unbemannte Hydroschilder 28.000 Liter bzw. 12.000 Liter pro Minute aus der Volme, die man jetzt trockenen Fußes durchschreiten kann.

10:53 Uhr MEZ
machten viele Zuschauer ein verdutztes Gesicht, denn innerhalb weniger Sekunden war der lange Oskar nur noch ein Trümmerhaufen während die Kameras sich noch scharf stellten.

Auf der anschließenden Presskonferenz gab Herr Martin Hopfe, dem deutliche Erleichterung anzumerken war, schmunzelnd zu, dass zwar alles genau berechnet wurde aber nie geprobt werden konnte.

Die Einsatzleiter der Feuerwehr und Polizei lobten das disziplinierte Verhalten von ca. 40.000 Schaulustigen. Fazit der Einsatzleiter,
einem Menschen wurde schlecht vor lauter Aufregung, 47 Autos wurden in Zone 1 abgeschleppt und einige Schaulustige liefen ungesichert auf Flachdächern herum. Die Sperrung der Altenhagener - Brücke wurde kurzfristig notwendig, da sich dort zu viele Sprengtouristen im letzten Moment dort das Spektakel ansehen wollten.

Die Bodenerschütterung war halb so hoch wie erwartet und auch die eigentliche Detonation hatten wir uns heftiger vorgestellt. Dennoch ging eine Gasleitung zu Bruch, die ein weiteres Absperren der heißen Zone notwendig machte. Aber noch während der Pressekonferenz gab der Einsatzleiter der Feuerwehr, Herr Zimmer, Entwarnung.

Gerüchteweise sollen sich die Kosten der Sprengung auf 3,5 bis 4 Millionen Euro belaufen. Diese Information ist jedoch nicht gesichert. Gesichert ist jedoch das sich in diesen Betrag der Abtransport des Bauschutts, der ca. 2000 LKW Ladungen ausmacht, beinhaltet. 6 Monate sind dafür angesetzt.

Falls Sie auch einmal eine Sprengung besuchen möchten, prägen Sie sich die folgenden Signaltöne ein:
Ein langer Ton = Zone verlassen
Zwei kurze Töne = Sprengung erfolgt unmittelbar
Drei kurze Töne = Sprengung beendet

07.03.04 - a.b. / p.b.

   
             

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